#70 Wie du einen KI-Coach baust, der dich wirklich kennt


Happy Sunday Reader!

Ich schreibe dir heute wieder aus meiner kleinen Garage in Venice Beach – dort, wo meine Gedanken fließen und Ideen entstehen.

Letzte Woche habe ich euch in meinem Newsletter von meinem KI-Upgrade für meinen Jahresrückblick erzählt und von der Idee, mir für 2026 einen Coach zu bauen. Einen, der sozusagen in die Rolle von mir Ende 2026 schlüpft. Die Version von mir, die klarer entscheidet, ruhiger führt und weniger Ja sagt, wenn sie Nein meint.

Ich habe das gemacht.
Und dann kam der erste echte Praxistest.

Eine Organisation wollte mich als Speakerin buchen. Spannendes Thema, tolles Publikum.
Dann kam der Satz: „Leider haben wir kein Budget. Aber großartige Sichtbarkeit …“

Früher hätte ich gezögert. Abgewogen. Mich schlecht gefühlt.
Diesmal habe ich meinen Coach geöffnet und gefragt:

„Ich habe eine kostenlose Speaking-Anfrage. Spannendes Publikum, aber kein Budget. Was denkst du?“

Antwort meines Coaches:
​„Stopp. In deiner Vision für 2026 steht: Ich sage nicht mehr zu allem Ja.
Und letztes Jahr hast du selbst festgehalten: Zu viele kostenlose Anfragen kosten dich Energie für bezahlte Projekte.“

Pause.
Verdammt. Sie (jepp, mein KI-Coach ist ne Frau) hatte recht.

Ich habe höflich abgesagt. Klar, ruhig, ohne schlechtes Gewissen.

Das ist der Unterschied.
Nicht, dass mein KI-Coach mir sagt, was ich tun soll. Sondern dass sie mich spiegelt – mit meinen eigenen Worten, Mustern und Zielen.


Die eigentliche Frage ist nicht das Tool

Einige von euch haben mir nach dem letzten Newsletter geschrieben und gefragt, welche Tools ich dafür nutze.

Hier ist meine wichtigste Erkenntnis:
Die Tools sind nicht das Problem. Der fehlende Kontext ist es.

Du kannst ChatGPT öffnen und sagen: „Du bist mein Coach für 2026.“ Du bekommst eine generische Antwort und beim nächsten Gespräch beginnt alles wieder bei Null.

Nicht, weil das KI-Tool schlecht ist. Sondern weil es dich nicht kennt.

Die eigentliche Frage lautet also nicht: Welches Tool soll ich nutzen?

Sondern: Was muss mein Coach über mich wissen, um mir gute Antworten zu liefern?


Was mein Coach über mich wissen musste

Ich wollte einen holistischen Coach, der mich als Ganzes sieht: Ende 40, Mutter von zwei Kindern, Solopreneurin, mit begrenzter Energie und sehr vielen kreativen Ideen im Kopf. Manchmal mehr, als gut für mich ist.

Dafür brauchte es drei Ebenen:

Vergangenheit​
Welche Muster wiederholen sich bei mir jedes Jahr?

Gegenwart​
Wie hängen Beruf, Körper, Energie und Mental Load aktuell zusammen?

Zukunft​
Wie will ich Ende 2026 arbeiten, führen und leben – ganz konkret?

Als die Speaking-Anfrage kam, war alles da:

  • Vergangenheit: „Zu viele kostenlose Anfragen“
  • Gegenwart: „Tendenz zur Harmoniesucht“
  • Zukunft: „Klarere Grenzen ohne schlechtes Gewissen“

Ich musste nichts erklären. Mein Coach wusste es bereits.


Die eigentliche Denkarbeit passiert vor der Toolauswahl

Was mir beim Bauen dieses Coaches klar wurde: Die wichtigste KI-Arbeit passiert vor dem Tool:

  • Das Sammeln meiner Jahresrückblicke hat Muster sichtbar gemacht.
  • Das Dokumentieren meiner aktuellen Realität hat mich ehrlich werden lassen.
  • Das Konkretisieren meiner Vision hat mir Entscheidungsmaßstäbe gegeben.

Erst als ich verstanden habe, was mein KI-Coach alles von mir wissen muss, habe ich angefangen, mit KI-Tools zu experimentieren.

Angefangen habe ich dabei bewusst ganz einfach: mit ChatGPT, einem Projekt und einem klaren Systemprompt, um meine Idee und meinen Kontext zu schärfen. Dann habe ich es in ein Custom GPT umgewandelt. Jetzt experimentiere ich gerade mit einer Personal Assistant Idee in "Claude Code".

Egal welche Tools du am Ende nutzt – alle bauen auf dieser Vorarbeit auf.

Nicht das Tool ist der Hebel. Sondern der Kontext, den du dem System gibst.


Dein erster Schritt

Wenn du dir auch so einen Coach bauen willst, fang klein an:

10 Minuten reichen.

  • Öffne dein KI-Tool, zum Beispiel ChatGPT
  • Starte ein Projekt "KI-Coach", so wie Ruben es hier macht.
  • Drücke die Mikrofontaste
  • Sprich 5–10 Minuten darüber:
    • Was waren deine 5 größten Highlights 2025?
    • Was waren deine 5 größten Herausforderungen?

Lass dir anschließend Muster spiegeln.

Das ist dein erster Kontext-Baustein.

Der Rest entsteht Schritt für Schritt:

  • Vergangenheit: Erkenntnisse, Notizen, Rückblicke bewusst sammeln
  • Gegenwart: Energie, Arbeit, Leben – wie hängt das zusammen (Wheel of Life, Personality Tests)?
  • Zukunft: Was heißt Balance oder Erfolg für dich wirklich?
  • Grenzen: Was teilst du – und was nicht? Wie willst du mit KI arbeiten - und wie nicht?

Wenn dein Coach dich wirklich verstehen sollte: Was müsste er über dich wissen?

❤️ from Venice Beach

Simone

Future-Ready Woman

Hi, ich bin Simone Lis. Als Schwäbin in Kalifornien lebe ich im Dauer-Spagat zwischen Perfektionismus und Silicon-Valley-Wahnsinn, zwischen KI-Agenten und analoger Renaissance, zwischen Familie und Me-Time. Ich teile echte KI-Use Cases, Learnings, Fails und Aha-Momente auf meinem Weg zur Future-Ready Woman. Schritt für Schritt, ohne Abkürzungen. Mit allen Ängsten, Zweifeln und hormonellen Achterbahnfahrten, die dazugehören, wenn man als Frau in der Lebensmitte trotzdem (oder gerade deswegen) ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben will.

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