#75 Ich bin zurück: Warum ich jetzt anders über KI denke


Fünf Monate Stille – und warum ich jetzt anders über KI denke

Happy Friday Reader!

Fünf Monate.
So lange habe ich keinen Newsletter mehr geschrieben.
Auch auf LinkedIn wurde es irgendwann ziemlich still um mich.


Was eigentlich absurd ist.
Denn ausgerechnet in diesen fünf Monaten ist KI noch einmal so unglaublich viel besser geworden.

Ich kann jetzt Agenten mit meiner natürlichen Sprache in Claude Cowork oder Code an einem Nachmittag bauen. Vor einem halben Jahr musste ich hierfür noch Coding-Kenntnisse haben oder externe technische Hilfe dazu holen. Dashboards, Webseiten, meinen ganze Content-Management-Workflow habe ich bereits automatisiert und jeden Tag baue ich mehr.

Eigentlich hätte ich 10x mehr Content produzieren können als je zuvor.


Stattdessen habe ich komplett aufgehört zu schreiben.
Und lange wusste ich nicht genau, warum.
Es hatte sich wie ein KI-Burnout angefühlt.

Da kam meine Sommerpause auf dem Segelboot genau zum richtigen Zeitpunkt, denn da hatte ich Dank meines Digital Detox mal so richtig Zeit zum Denken.


Ich glaube, inzwischen weiß ich die Antwort.

In den letzten Jahren habe ich sehr viel darüber gesprochen, was mit KI plötzlich alles möglich ist. Aber irgendwann hat sich die Frage verändert.

KI kann meine Texte schreiben. KI kann recherchieren. KI kann meine E-Mails lesen.
Und plötzlich kam bei mir eine ganz andere Frage auf:

💡 Wenn KI all diese Dinge kann, was davon will ich eigentlich noch selbst machen?


Ich habe zum Beispiel versucht, mein komplettes Content-Management System zu automatisieren, inklusive meiner News-Recherche, die mich jeden Tag mindestens 2 Stunden kostet – 10 h pro Woche. Das lohnt sich.

Ich lese ziemlich viel. Newsletter, Artikel, Research, Dinge aus komplett anderen Bereichen. Also ließ ich KI für mich lesen und mir jeden Morgen mit "Scheduled Tasks" einen persönlichen Media Brief erstellen.

Es funktionierte perfekt.
Und ich fand es total langweilig diesen Report zu lesen.

Denn ich hatte bei all meinem Automatisierungswahn etwas wichtiges übersehen: Lesen ist für mich nicht nur Informationsaufnahme. Lesen ist, wo ich denke und lerne.

Ich lese einen Satz und erinnere mich an ein Gespräch. Ich widerspreche. Ich entdecke eine Verbindung. Ich werde neugierig. Ich ändere meine Meinung.

Ich hatte eine Aufgabe automatisiert. Aber gleichzeitig hatte ich einen Ort automatisiert, an dem mein Denken entsteht.


Und irgendwann habe ich verstanden: Vielleicht ging es mir beim Schreiben genauso.

Wenn KI innerhalb von Sekunden einen ziemlich guten generischen LinkedIn-Post schreiben kann, was ist dann eigentlich noch meine Aufgabe? Noch mehr Content produzieren wie so viele da draußen auf LinkedIn die jeden Tag noch lauter schreien? Noch schneller? Noch effizienter?

Nein.

Ich möchte die Arbeit behalten, durch die etwas in mir entsteht: Mein Urteilsvermögen. Meine Expertise. Meine Beziehungen. Meine Neugier. Geschmack. Meine eigene Perspektive.

Und ich möchte der KI die Dinge abgeben, die meine kostbare Energie verbrauchen und nichts von den oben genannten Dinge in mir entwickeln.


Das ist für mich der Unterschied. Nicht: Was kann ich noch alles automatisieren?
Sondern: Was verbraucht meine Energie und was gibt sie mir zurück?


KI ist anders als andere Technologien.
Sie verstärkt, was wir mitbringen. Wenn wir Chaos hineinbringen, bekommen wir sehr schnell sehr viel Chaos zurück. Wenn wir Klarheit hineinbringen, kann KI diese Klarheit verstärken.

Deshalb glaube ich heute noch stärker an einen Satz, den ich schon lange benutze:
"AI doesn't start with AI. It starts with you."

Je leistungsfähiger KI wird, desto wichtiger wird die Frage: Was möchte ich ihr überlassen? Und was möchte ich auf keinen Fall wegoptimieren?


Vielleicht musste ich erst fünf Monate nicht schreiben und still sein, um genau das zu verstehen.

Jetzt habe ich wieder Lust darauf. Nicht um mehr Content zu produzieren. Sondern weil Schreiben einer der Orte für mich ist, an denen mein Denken entsteht. Und ich diese Gedanken mit euch teilen mag.


Also.
Da bin ich wieder.

Und wer Lust hat mich wieder in meiner "I'm back" Mentalität live und in Farbe zu erleben:

Ich halte ein kostenloses Webinar am 14. Sepember 2026 bei der Bitkom zum Thema "Vom KI-Overload zum klaren Workflow".

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Simone

Future-Ready Woman

Hi, ich bin Simone Lis. Als Schwäbin in Kalifornien lebe ich im Dauer-Spagat zwischen Perfektionismus und Silicon-Valley-Wahnsinn, zwischen KI-Agenten und analoger Renaissance, zwischen Familie und Me-Time. Ich teile echte KI-Use Cases, Learnings, Fails und Aha-Momente auf meinem Weg zur Future-Ready Woman. Schritt für Schritt, ohne Abkürzungen. Mit allen Ängsten, Zweifeln und hormonellen Achterbahnfahrten, die dazugehören, wenn man als Frau in der Lebensmitte trotzdem (oder gerade deswegen) ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben will.

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