#77 Die eine Frage, die jeden Prompt besser macht


Muss ja nicht gleich ein Marathon sein.

Happy Sunday Reader!

„Erstelle mir einen Trainingsplan für einen Marathon."

Mit diesem Satz starteten drei Frauen in meinem Workshop diese Woche. ChatGPT lieferte sofort einen Plan. Sechs Trainingstage. Für jemanden, der nur am Wochenende Zeit hat.

Na, das fängt ja gut an. 😉

Die drei hätten an dieser Stelle sagen können: „Siehst du, KI bringt mir nichts."

Stattdessen erklärten sie genauer, für wen der Plan gedacht war:

„Ich bin 49, absolute Anfängerin und habe Knieprobleme. Der Marathon ist in sechs Monaten. Ich arbeite Vollzeit und habe Kinder. Trainieren kann ich nur am Wochenende."

Die nächste Antwort passte besser zu ihren Angaben. Beim Lesen fiel ihnen auf, was noch fehlte. Mit jeder Runde ergänzten sie mehr Kontext.

Dann drehten sie die Frage um:

💡 „Was müsstest du noch von uns wissen, um einen wirklich passenden Trainingsplan zu erstellen?"

Jetzt fragte ChatGPT nach. Nach ihrer bisherigen Lauferfahrung, ihrer Ausrüstung und sogar nach ihren Lieblingsorten in München. Aus dem allgemeinen Plan wurden ein Entwurf für den Kühlschrank und Vorschläge für Laufstrecken entlang dieser Orte.

Ob das Marathonziel bei Knieproblemen und so wenig Trainingszeit realistisch ist, gehört sportmedizinisch abgeklärt. Der Aha-Moment im Workshop lag woanders.

Die Frauen erzählten anschließend, wie lange sie anfangs überlegt hatten, was sie der KI alles sagen müssten. Jetzt ließen sie sich dabei helfen, herauszufinden, welche Angaben überhaupt wichtig waren.


Genau deshalb starte ich in meinen Workshops gerne mit einer Alltagsaufgabe. Du merkst schnell, ob eine Antwort zu deinem Leben passt.

Meine erste Aufgabe mit einem KI-Agenten war zum Beispiel die wöchentliche Essensplanung. Die kostet mich zuverlässig Zeit und Nerven. Und meine Kinder übernehmen freundlicherweise die Qualitätskontrolle: „Mama, ist okay, aber brauchst du nicht noch mal machen."

Dieses Feedback bekomme ich allerdings auch, wenn ich die Menüplanung ganz ohne KI übernehme.

An einer kleinen Alltagsaufgabe kannst du ein neues Tool oder Feature in Ruhe und ohne Angst ausprobieren. Wählst du eine Aufgabe ohne sensible Angaben, musst du dich auch nicht gleich mit der Frage beschäftigen: „Darf ich diese Information überhaupt hochladen?"

Was du dabei übst, hilft dir später im Job. Denn ob privat oder beruflich, die Fragen, um die KI effektiv zu prompten, bleiben dieselben:

1. Was möchte ich am Ende haben?
2. Woran erkenne ich, dass das Ergebnis gut ist?
3. Welche Informationen braucht die KI dafür?

Beim Essensplan heißt das zum Beispiel: fünf Abendessen, die meine Kinder mögen und die in unseren Wochenrhythmus passen. Dafür braucht die KI unsere Vorlieben und die Zeit, die ich zum Kochen habe.

Bei der Vorbereitung eines Sales-Meetings werden die Antworten vielleicht komplexer. Du musst genauer überlegen, welche Informationen relevant sind und welche du überhaupt teilen darfst. Aber du hast schon geübt, ein Ziel zu beschreiben und einen Vorschlag daran zu prüfen.


Jetzt bist du dran.

Probier diese Woche ein neues KI-Feature oder Tool mit einer Aufgabe aus, die du sowieso erledigen möchtest. Einen Kindergeburtstag planen, einen Wochenendtrip mit Freundinnen organisieren oder die Essensplanung für die nächste Woche.

Beschreibe kurz, was du vorhast, und hänge diesen Prompt an:

„Hilf mir, diese Aufgabe genauer zu beschreiben, bevor du eine Lösung vorschlägst. Was musst du noch von mir wissen? Stell mir die Fragen bitte einzeln."

So holst du dir einen Denkpartner ins Boot, der dir schon beim Sortieren deiner Gedanken hilft.

Prüfe anschließend den ersten Vorschlag und sag konkret, was noch nicht passt. Wenn du mit dem Ergebnis zufrieden bist, überlege: Was davon könnte mir auch bei der Arbeit helfen? Vielleicht beim nächsten Meetingbericht, einem Newsletter oder einer schwierigen E-Mail.


Die drei Frauen haben erlebt, wie viel sich im Gespräch klären lässt. Dafür hat ein einziger, ziemlich allgemeiner Satz gereicht, um loszulegen.

Muss ja nicht gleich ein Marathon sein.

Welche Aufgabe würdest du auf diese Weise ausprobieren? Schreib mir gern zurück – ich bin neugierig.

❤️ from Venice Beach

Simone

P.S. Der Wasserschaden von letzter Woche ist fast vergessen und der neue Laptop ist großartig. Nach einem Sommer zwischen KI-Agenten-Bauen im stillen Kämmerlein und Kinderbespaßung in den Ferien bin ich endlich wieder back in business. Nächste Woche gebe ich einen weiteren Workshop und mein kostenloses Bitkom-Seminar. Hier kannst du dich kostenlos registrieren. Danach fliege ich zum Oktoberfest nach München. Ein bisschen Spaß muss sein – ganz ohne KI!

Future-Ready Woman

Hi, ich bin Simone Lis. Als Schwäbin in Kalifornien lebe ich im Dauer-Spagat zwischen Perfektionismus und Silicon-Valley-Wahnsinn, zwischen KI-Agenten und analoger Renaissance, zwischen Familie und Me-Time. Ich teile echte KI-Use Cases, Learnings, Fails und Aha-Momente auf meinem Weg zur Future-Ready Woman. Schritt für Schritt, ohne Abkürzungen. Mit allen Ängsten, Zweifeln und hormonellen Achterbahnfahrten, die dazugehören, wenn man als Frau in der Lebensmitte trotzdem (oder gerade deswegen) ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben will.

Read more from Future-Ready Woman
Frau von hinten vor einem Laptop mit farbenfrohem, gestörtem Bildschirm und der Meldung „Sorry Wasserschaden ?“, in einem hellen Homeoffice mit VENICE-Bild.

Mein Laptop ist abgesoffen. Es war das Beste, was mir passieren konnte. Happy Saturday Reader! Mein Laptop ist am Dienstag wortwörtlich abgesoffen. Ausgerechnet an dem Tag, auf den ich mich seit drei Monaten gefreut hatte: die Kids sind zurück in der Schule und ich kann endlich mal wieder konzentriert durcharbeiten. Und dann, hole ich den Laptop aus meiner Handtasche. Ich klappe ihn auf und denke: komisch, die Tastatur ist ganz nass. Ich drücke den Knopf, und auf dem Display passiert das, was...

Two figures on a sailboat at sunset—one human, one in a futuristic pink helmet with headphones—looking out at the ocean and a distant volcano

Fünf Monate Stille – und warum ich jetzt anders über KI denke Happy Friday Reader! Fünf Monate.So lange habe ich keinen Newsletter mehr geschrieben.Auch auf LinkedIn wurde es irgendwann ziemlich still um mich. Was eigentlich absurd ist.Denn ausgerechnet in diesen fünf Monaten ist KI noch einmal so unglaublich viel besser geworden. Ich kann jetzt Agenten mit meiner natürlichen Sprache in Claude Cowork oder Code an einem Nachmittag bauen. Vor einem halben Jahr musste ich hierfür noch...

Frau sitzt in einem neonbeleuchteten Raum voller Papierstapel und Post-its, hält sich den Kopf vor Überforderung, chaotische Umgebung symbolisiert mentale Überlastung.

Happy Saturday Reader! Es war hier etwas still in den letzten Wochen, und das hat einen Grund: Ich habe wieder intensiv mit Unternehmen gearbeitet und maßgeschneiderte Workshops & Webinare gehalten. Viel live unterrichtet. Viele Fragen gehört. In viele Gesichter gesehen, die alle dasselbe ausgestrahlt haben: Neugier.Und Überforderung gleichzeitig. Und genau deshalb habe ich heute etwas zu sagen. Warum alle feststecken In den letzten Wochen habe ich eines immer klarer verstanden: Die meisten...