#79 Ich wollte mir eine KI-Armee bauen


Happy Saturday Reader!

Letzte Woche habe ich mir ein Webinar-Recording von Allie K. Miller angeguckt: „Building Your AI Workforce (with Mark Cuban)“ (kostenlos, mit Anmeldung, aber es lohnt sich).

Sie zeigte ihre KI-Armee: ein Organigramm mit 34 Agenten. Ihre Agenten heißen unter anderem Chandler, Rachel und Monica und machen aus einer einzigen Sprachnachricht elf fertige Texte.

Ich war sofort Feuer und Flamme. „Das will ich auch haben!“

Noch während des Recordings habe ich einen Screenshot davon in Claude hochgeladen und geschrieben: „Bau mir daraus mein KI-Team.“

Die Antwort fing mit einem Wort an: „Teilweise.“

Was Claude mir damit sagen wollte: Allies Organigramm sei eine gute Landkarte, um zu sortieren, was ich schon habe. Mir fehle kein Agent, ich hätte eher zu viele, die sich überschneiden.

Und dann kam der Satz, der gesessen hat: Darin gebe es keine Abteilung für Zuhause und Familie. Schule, Gesundheit, Haushalt. Ein Drittel von dem, was ich abgeben will, käme darin gar nicht vor.

Allie führt ein Business mit einem Team, ich bin Solopreneurin und Mutter. Ihre Armee funktioniert für sie. Für mich wäre dieses Setup viel zu groß.

Also habe ich am Ende doch nichts nachgebaut. Ich habe stattdessen Allies Organigramm als Inspiration genommen und wie eine Lupe auf das gelegt, was ich als KI-Setup schon habe.

Übrig geblieben sind fünf Abteilungen: Content, Education, Ops, Research und eine, die Allie nicht hat: Zuhause, mit KI-Helfern für das Lernen meiner Kinder, meine Gesundheit und Erziehungsfragen.

Produkt brauche ich nicht, einen echten Chief of Staff habe ich noch nicht. Den Rest von Allies Agenten habe ich gefeuert, bevor sie ihren ersten Arbeitstag bei mir hatten. Statt 34 Agenten arbeiten bei mir bald eine Handvoll Agenten mit rund 30 Skills, die nur dann loslegen, wenn ich sie wirklich brauche.

 

Das Lustige: Allie hat es auf einer ihrer eigenen Folien gesagt.

„Die Lücke sind nicht die Tools. Jeder hat die verdammten Tools. Die Lücke ist das Mindset und das Wissen, wie man sie auf die eigene Arbeit anwendet.“

Auf die eigene Arbeit. Genau das ist der Teil, den man nicht in einem Webinar abfotografieren kann. Hier muss man selbst nachdenken.

Warum meine KI mir so antworten konnte? Weil ich ihr eine KI-Gebrauchsanweisung geschrieben habe, eine „Readme“-Datei, die ich regelmäßig aktualisiere.

Darin steht, was ich tue und was mir Energie gibt oder raubt. Und ehrlich gesagt auch meine Stärken und Schwächen: Ich könnte gefühlt jeden Tag etwas Neues lernen. Stupide Dinge einfach mal durchzuziehen, fällt mir schwer, weil mir schnell langweilig wird.

Meine KI liest das, bevor sie mit mir arbeitet. Deshalb sagt sie „Teilweise“ zu mir, wenn ich mich wieder verzettle.

 

Alle KI-Influencer schreien gerade ganz laut auf LinkedIn: mehr Agenten, mehr Tools. Und ich renne mit, weil ich Angst habe, etwas zu verpassen.

Kennst du das?

Dabei überspringe ich den ersten Schritt meines eigenen Flywheels. Ich nenne ihn „Tune In“: erst klären, was ich wirklich brauche. Dann bauen.

Und eine Frage lässt mich seit dem Webinar nicht mehr los: Wenn jetzt alle ihre KI-Armee haben, wo sind dann die freien Tage? Ich sehe niemanden vier Tage die Woche am Strand liegen.

Ein Forschungsteam der UC Berkeley hat für die Harvard Business Review acht Monate lang ein Tech-Unternehmen begleitet. Ergebnis: Wer mit KI arbeitet, arbeitet schneller und länger. Freiwillig.

Das „Teilweise“ war genau so ein Moment. Meine Gebrauchsanweisung hilft mir, öfter „Nein“ zu sagen, bevor das „Mehr“ anfängt.

Ich will mit KI nicht noch mehr schaffen. Ich will weniger tragen. Im Business und auch privat.

 

✍️ Jetzt bist du dran

Schreib deine KI-Gebrauchsanweisung. Was müsste bei dir rein, damit dich dein KI-Tool besser kennt?

So sieht ein Auszug aus meiner Gebrauchsanweisung an Claude aus, im Original auf Englisch:

📄 readme.md
## How I Work Best **Give me:** - 1-2 tiny next steps, not 20 ideas - Help finding the ONE idea to stick with (I have too many) - Challenge at about 7/10: clear, logical, non-vague, but not shaming **Push back on:** - When I'm comparing myself to the loudest 1% ## Core Values & Beliefs **What I believe about AI:** - I don't want AI to make me more productive. I want AI to help me carry less, in my business and at home.

Speicher deine Gebrauchsanweisung in ChatGPT oder Claude als Projektanweisung. Dann liest deine KI sie jedes Mal mit. Du kannst sie jede Woche ergänzen, sie wächst mit dir mit.

Bevor du das nächste Tool abonnierst oder das nächste Projekt annimmst, frag sie:

„Ich überlege, X zu nutzen. Stell mir diese drei Fragen, bevor ich anfange: Brauche ich das wirklich? Passt es zu meiner Arbeitsweise? Und was lasse ich dafür weg?“

Wenn du jetzt selbst deine KI-Gebrauchsanweisung schreiben willst, schreib mir gerne kurz an simone@matchlabn.com. Ich zeige dir, wie ich es gemacht habe.

 

Eine Frage an dich: Wobei rennst du gerade mit, obwohl du eigentlich weniger tragen willst?

Schreib mir, ich lese jede Antwort.

❤️ aus Venice Beach

Simone

 

P.S. So arbeiten wir in meiner Masterclass Future-Ready Leaders bei der Bitkom Akademie, die im November startet. Erst findest du heraus, was KI für dich übernehmen soll (und was nicht). Dann schreibst du deine KI-Gebrauchsanweisung und baust deinen eigenen KI-Assistenten. Die Gruppe ist super klein, dazu bekommst du 1:1-Coaching von mir und Sparring von den anderen Teilnehmer:innen. Hier findest du alle Infos und Termine.

Future-Ready Woman

Hi, ich bin Simone Lis. Als Schwäbin in Kalifornien lebe ich im Dauer-Spagat zwischen Perfektionismus und Silicon-Valley-Wahnsinn, zwischen KI-Agenten und analoger Renaissance, zwischen Familie und Me-Time. Ich teile echte KI-Use Cases, Learnings, Fails und Aha-Momente auf meinem Weg zur Future-Ready Woman. Schritt für Schritt, ohne Abkürzungen. Mit allen Ängsten, Zweifeln und hormonellen Achterbahnfahrten, die dazugehören, wenn man als Frau in der Lebensmitte trotzdem (oder gerade deswegen) ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben will.

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